Der Achte Tag

Der Achte Tag

Der Achte Tag1

Exposè

Religion, Bewusstsein, Psychologie. Die Bibel als kleingeistiges Werk einer Religion der Arroganz.

 

Taschenbuch von Martin Becker

Novum Pro Verlag

 

ISBN-10: 3990032933

ISBN-13: 978-3990032930

 

Download als Kindle e-book: https://www.amazon.de/dp/B0056OTBH8/ref=rdr_kindle_ext_tmb

 

Der achte Tag führt den Leser durch die Stationen der Bibel. Die großen Highlights werden beschrieben: Der Sündenfall, die Sintflut, Sodom und Gomorra, das Wirken Jesu usw.

Das Augenmerk richtet sich dabei auf das Psychogramm der Bibelschreiber, denn diese haben die Bibel zu dem gemacht, was sie heute ist. In dem Moment der Niederschrift verblieben die Abschnitte der Bibel in ihrem Wortlaut fixiert, bis in den heutigen Tag.

Die damalige Gesellschaft steckte jedoch tief in Grausamkeit, Gewalt und Bestrafung, und diese Eigenschaften wurden auf Gott projiziert. Der Mensch als grausame Schöpfung Gottes und gleichzeitig Gott als grausame Schöpfung des Menschen. Beides bedingt sich gegenseitig.

Die Bibelschreiber hatten nicht die geistige Reife, das Wesen eines Gottes, oder den Kern der Lehren Jesu zu begreifen geschweige denn dies niederzuschreiben. Aus ihrem Muster heraus schufen sie das Bild eines rachsüchtigen, kleinmütigen, sadistischen und ungerechten Gottes – warum: weil sie selbst so beschaffen waren. Sie beschrieben einen Jesus, der völlig fixiert war auf das Leben nach dem Tod, so dass sein Gebot der Liebe zum Zweck der Belohnung nach dem Leben degradiert wurde, der aber nicht den Selbstzweck im jetzigen Leben erklären konnte, warum: weil die Schreiber für ihr entbehrungsreiches Leben eine Belohnung haben wollten.

Die Christen mögen sich nicht mit einem gewalttätigen Gott identifizieren, aber sie wagen sich nicht daran, an den Säulen der Bibel zu rütteln. Sie picken sich die positiven Bonmots oberhalb der Oberfläche einer grausamen Tiefe heraus. Es ist schizophren und dies wird in diesem Werk klar herausgestellt.

Der achte Tag zeigt auf, was wirklich in der Bibel steht und was nicht drin stehen dürfte, bzw. was dringend gelöscht werden sollte. Viel bleibt nicht mehr übrig. Es gilt sich völlig schmerzfrei davon zu befreien. Wer seinen Keller aufräumen will, der sollte auch in den finsteren Ecken kehren. Es wird aufgeräumt – doch in vollem Respekt zum Glauben.

Es geht nicht darum, Glauben zu zerstören, denn es betrifft den inneren Kern des Menschen, sondern das Buch zeigt ein Bewusstsein auf, hebt den Menschen aus seiner starren Haltung, hebt den Blick, stärkt das Rückgrat und macht Mut dazu, ehrlich zu sich selber zu sein.

Dem Leser bleibt es freigestellt, für sich selbst zu entscheiden, ob der christliche Glaube für ihn weiterhin Wert hat, oder ob er sich von ihm befreien will. Er ist beides gleichwertig anzusetzen, und er hat die Wahl, an der Stellschraube seiner Religionsmechanik zu drehen, bis er die Glaubenssätze gefunden hat, die für ihn gültig sein sollen.

Der achte Tag hat die Kapazität, eine grundlegende Veränderung des Christentums zu initiieren und zwar aus der Basis heraus.

Die christliche Religion hat die Möglichkeit, sich völlig neu zu definieren – oder von der Weltbühne zu verschwinden. Es bleibt gleichwertig.

 

Leseprobe

Wenn man den Menschen danach befragt, wie er denn gerne seinen Urlaub verlebt, dann findet sich als Antwort oft genau das Gegenteil von dem, wie er seinen Alltag verbringt. Der Fleißige will Ruhe, der Eingesperrte will Freiheit, oder er will Sonne und weit sehen können. Der Gelangweilte will Abenteuer und der Einsame will unter Menschen sein. Das augenblickliche Leben führt immer den Mangel vor Augen, was man nicht hat und wie man es gerne noch besser hätte.

Die Unzufriedenheit mit dem augenblicklichen Sein, sie spiegelt sich in der Religion wieder. Die Religion verspricht den Urlaub der Seele, die Erfüllung der Sehnsucht.

Wer an das bessere Leben nach seinem Tod glaubt, der lebt wie ein Fisch im Ozean, umgeben von seinem Lebensmedium, dem Wasser. Aber dieser Fisch akzeptiert nicht sein Leben im aktuellen Zustand. Er sehnt sich nach einem Leben außerhalb des Wassers. Er strebt nach dem Leben an Land. Der Fisch will sich von seinem Lebensmedium trennen und möchte nicht mehr so leben wie jetzt. Er akzeptiert diese Umgebung nicht, will weiter, will höher und sucht nach einer anderen Welt im Außen.

Wer an das bessere Leben nach seinem Tod glaubt, ist nach außen ausgerichtet und erlebt sich selbst nicht in einer in sich ruhenden Einheit. Die äußere Ausrichtung bewirkt eine Schwächung der eigenen Stabilität. Krückstöcke für ein geschwächtes Rückgrat.

Das Gefühl, von Gott getrennt zu sein bewirkt Leid

  • Gefühl des Mangels, alleingelassen im irdischen Leben
  • geschürt von dem Wunsch nach dem ewigen Paradies, wenn dieses Leben vorbei ist
  • gezwungen durch die Auflage nach einem sündenfreien Leben, damit die Ewigkeit zur Belohnung wird
  • Das ist kein göttliches System, das sind irdische, kleinmütige und ängstliche Gedanken.

Die christliche Religionsmechanik ist ausgerichtet auf das „Danach“. Dreht man an dieser Stellschraube zurück auf das „Jetzt“, was würde dann passieren?

Das Gefühl, in jetziger Einheit mit Gott zu sein, würde den Christen vom Leid befreien, dass ein glücklicheres Leben erst nach dem Tod bevorsteht.

Er könnte sehen,

  • dass der Glückszustand bereits jetzt erreicht ist und nicht verbessert werden muss
  • dass es gleichgültig wäre, ob diese Einheit durch eine Verlängerung der Zeit im Sinne eines ewigen Lebens aufrecht erhalten werden müsse
  • dass der Gedanke an ein ewiges Leben unwichtig wäre
  • Doch selbst Jesus strebte das Leben nach dem Tode an. Seine Ausrichtung war nach außen hin gestützt. Sein Leben war nicht in der Mitte. Sein Wunsch war es, ein besseres Leben nach dem Tode zu führen. Er selbst war gedrängt vom Wunsch nach einem ewigen Leben.

Die Funktion der Liebe wird verlagert. Die Liebe funktioniert nur dann, wenn Gott den Menschen dafür mit dem ewigen Leben belohnt. Das Kind ist nur dann lieb, wenn ihm eine Süßigkeit versprochen wird. Es lernt nicht, dass das Lieb- Sein die Erfüllung ist, sondern die Süßigkeit als Belohnung.

Das Lieb-Sein ist der Weg zum Ziel. Dieser muss aktiv demonstriert werden, sonst wird er nicht beachtet und es fällt keine Belohnung an. Deshalb muss sich Jehovas Zeuge mit dem „Wachturm“ an die Straßenecke stellen, damit es alle sehen können, um sich vor Gott einen Namen zu machen.

Jesus lehrte, dass die Liebe der Weg ist, um die Erfüllung, nämlich das ewige Leben nach dem Tod zu erreichen, nicht aber die Liebe selbst als eigenständige Erfüllung. Durch diesen Bezug wird die wahre Bedeutung der Liebe abgemildert.

Das ist ein interessanter, psychologischer Aspekt, der die Mechanik der Religion beeinflusst.

Die vier Evangelisten ließen den psychischen Schwerpunkt Jesu nach außen hin ausgerichtet sein, und nicht in sich selbst. So war seine Lehre vom himmlischen Vater nach außen hin ausgerichtet. Nicht die Liebe war seine Botschaft, sondern das Leben nach dem Tod.

Seine Lehre, wie Liebe und Vergebung, waren lediglich die Hilfsmittel um dahin zu gelangen. Ein interessanter Punkt, der zeigt, welch große Wirkung ein kleines Rädchen an der Stellschraube der Mechanik der Religion haben kann. Nicht die Liebe selbst ist die Lehre, nein, die Liebe ist der Weg zum Ziel. Es gibt dagegen nichts einzuwenden. Es ist nur schwer, den Menschen dann zu vermitteln, wie die Liebe tatsächlich wirkt. Ihr Sinn wird fraglich, wenn man sie ohne die Belohnung auf das ewige Leben ansieht.

Menschen verlagern gerne den Schwerpunkt ihrer Person nach außen.

Ein Beispiel ist das Jammern: Oh, mir geht’s so schlecht, ich bin so arm dran, die ganze Welt ist gegen mich, keiner hat mich lieb. Wenn ich so denke, und mich so äußere, dann gebe ich die Verantwortung für mein eigenes Leid nach außen ab. Andere haben Schuld an meiner Unmündigkeit, andere tragen die Verantwortung für meine Unfähigkeit und machen ihren Job schlecht.

Den Begriff Schuld kann ich nur dann anwenden, wenn ich nach außen verlagert bin. Bliebe ich bei mir selber, müsste ich nicht mit dem Finger auf andere zeigen und Schuld verteilen.

Ein anderes Beispiel ist die Macht: Ich erwarte vom anderen, dass er tut, was ich will. Ich habe Erwartungen. Ich übe Druck aus, ich zwinge dem anderen meinen Willen auf. Wenn er nicht tut, was ich will, weiß ich, wie ich ihn bestrafe und habe meine Muster, um ihn wieder gefügig zu machen. Wenn ich den Druck in mir spüre, die Unausgeglichenheit, dass etwas anders sein soll, als es ist, dann verlagere ich meinen Schwerpunkt nach außen. Der andere soll Abhilfe schaffen, damit mein Gleichgewicht wieder hergestellt wird und ich meinen Willen befriedigen kann.

Wer seine Person nach außen ausrichtet, muss befürchten, keine eigene Ausrichtung zu haben. Mein eigenes Rückgrat könnte zu schwach sein, um selbst gerade zu stehen, und ich könnte mich nur mit Krückstöcken aufrecht halten. Wenn ich nicht bei mir sein kann, in meiner Ausrichtung, sondern den Schwerpunkt nach außen verlagere, drohe ich zu kippen und benötige äußere Stützen. Das ist mit der Psychologie und mit der Statik gleich.

Die Liebe nur deshalb zu benutzen, damit der Himmel und das ewige Leben zur Belohnung wird, bewirkt eine Schwächung der eigenen Ausrichtung, die Konzentration auf einen äußeren Einfluss und eine Schwächung der Botschaft der Liebe.

Die vier Evangelisten waren durch die außerordentliche Dominanz Jesu nicht in der Lage, die Liebe als Ausrichtung auf die eigene Person zu erfahren, sondern sie stützten sich auf Jesus. Das ist verständlich, denn Jesus war ihr Vorbild. Aber genau so überlieferten sie das auch und hinterließen in Wirklichkeit das Bild eines schwachen Jesus, das er selbst womöglich nicht vermitteln wollte.

Vielleicht hatte Jesus diesen Bezug nicht und die Fixierung auf Gott und das ewige Leben. Vielleicht waren das alles lediglich Projizierungen der vier Evangelisten, die sich nicht besser ausdrücken konnten.

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Ist letztlich ungenügend aussagefähig. Wer liebt schon sich selbst?

Narziss war verliebt in sein Spiegelbild. König Ludwig II ließ für sich mehrere Schlösser bauen. Menschen mit starkem Selbstbewusstsein lieben sich selbst und lassen die Gedanken wohlgefällig um das Zentrum der Welt kreisen, nämlich um sich selber. Menschen mit einem schwachen Selbstbewusstsein tun sich schwer, sich selbst zu lieben und hoffen darauf, geliebt zu werden. Wer ist dazu imstande, andere zu lieben wie sich selbst, wenn die Liebe zu sich selbst bereits ein Problem ist?

Wer Leid denkt und Streit oder Zwang, der wird den Nächsten nicht lieben wie sich selbst, weil die Liebe zu sich selbst im Ungleichgewicht ist. Er wird den Menschen in Leid sehen. Wer Angst hat vor der Ablehnung, oder wer seine Welt in Bedrohung sieht, der erlebt sich selbst nicht in Liebe und den Nächsten ebenso nicht, sondern nur in Ablehnung und Bedrohung.

Vielleicht könnte der Satz so lauten:

„Liebe dich selbst, so wie du willst, dass dich dein Nächster lieben soll, und du wirst den Nächsten so lieben, wie du dich selbst liebst.“

Ein anderer Aspekt kommt hinzu, der den Begriff Liebe relativiert. Sage ich zu meinem Partner: „Ich liebe dich“, dann sage ich vielleicht zu einem anderen: „Ich liebe dich nicht.“ Die Polarität in der Liebe, der Unterschied zwischen Liebe und Nicht–Liebe bewirkt eine Unterscheidung in der Wertung.

Jemanden nicht zu lieben bedeutet, ihm das auszustrahlen, und es bedeutet, selbst nicht in Liebe zu sein. Das bedeutet, dass ich die Liebe selbst nicht in mir trage, sobald ich einen anderen nicht liebe. Dann bin ich nicht in der Lage zu einem anderen zu sagen „Ich liebe dich“ und ich bin nicht fähig zu lieben.

Der Satz „liebe Deinen Nächsten“ beinhaltet eine allesumfassende Liebe, vor allem und zuallererst die Liebe und Achtung zu sich selbst. Hier kommen wir Jesus am nächsten, auch wenn dies in der Bibel völlig verdreht wiedergegeben wird. Nur, wenn ich mich selbst liebe, bin ich in der Lage, einen anderen zu lieben, nicht umgekehrt.

Die Bedeutung, der Raum und die Fülle dessen, was ich imstande bin, einen Menschen bei mir einnehmen zu lassen, kann den Unterschied ausmachen, ob mein Partner in meinem „Herzen“ einen höheren Stellenwert hat, als zum Beispiel die Politesse, die mir einen Strafzettel verpasst. Der Raum, den beide in mir einnehmen ist in der Regel unterschiedlich groß, aber wenn ich in Liebe lebe, kann ich nicht sagen, ich würde die Politesse nicht lieben.

Im Gegenteil. In dem Moment, in dem sie zu einem bestimmten Zeitpunkt unserer Begegnung den größten Raum in mir einnimmt, ist meine Liebe zu ihr am größten – weil sie in diesem Moment den Raum in mir einnimmt, den ich selbst bei mir liebe.

Und wer jetzt noch hinzufügt, dass derjenige nicht in den Himmel kommt und von Gott bestraft wird, wenn er das nicht tut, der hat die Liebe leider nicht verstanden.

Es wäre das Beste für die Religionsmechanik des Christentums, alle Bezüge, die zum Thema „liebe deinen Nächsten“ und die zu Gott überleiten, ganz aus der Bibel zu streichen.

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