Die Reise des Bruder Johannes

Die Reise des Bruder Johannes

ISBN: 978-3-7380-9792-4

Das E-Book “Die Reise des Bruder Johannes” handelt vom christlichen Glauben, von Religionskritik und von der Katholischen Kirche.
Ein Buch gleichermaßen interessant zu lesen für Christen und Atheisten. Ein Brückenschlag, der in diesem Buch gelingt: Der Glaube an das Unglaubliche, das aus der Perspektive des Christen absolut schlüssig erscheint, wird für einen Atheisten zur Satire. Mit tiefen theologischen Kenntnissen greift Martin Becker kritisch in die Welt des Christentums ein und zeigt humorvoll, feinfühlig und sachkundig Ungereimtheiten auf, von denen sich die Kirche lieber eilig befreit, bevor sie sich tiefer darin verwickelt.

Die Reise des Bruder Johannes1

Pater Gregor, Abt eines kleinen, bayerischen Klosters versucht verzweifelt, die Seligsprechung seines Ziehsohns Bruder Johannes wieder rückgängig zu machen. Sie beruht auf einem großen Irrtum. Geleitet von Eitelkeit, Ruhmsucht und Verheimlichung von veruntreuten Geldern, verschwieg Abt Gregor wesentliche Faktoren, die zu einem scheinbaren Wunder führten. Die Zeugen des Wunders waren hohe Würdenträger des Vatikan.

Es half nichts, dass Abt Gregor Bruder Johannes tags darauf auf eine ferne Reise schickte, denn dieser schien das Unglück geradezu anzuziehen. Er machte alles nur noch schlimmer.

Im festen Glauben, Jesus würde ihn leibhaftig auf seiner Reise begleiten, erschienen dem Bruder Johannes weitere Himmelgestalten, von deren Existenz er so fest überzeugt war, dass er sich nicht von seinem Glauben abbringen ließ.

Diese Erzählung beschreibt humorvoll und kritisch, wie sehr sich der Gläubige in seine Glaubenswelt verliert, die offensichtlich nicht existiert. Sie beschreibt auch, wie sich die katholische Kirche immer mehr in Widersprüche verrennt, je mehr sie versucht, sich daraus zu befreien. Abt Gregor, als belesener Theologe, kennt die Hintergründe des christlichen Glaubens. Er kennt die Ungereimtheiten und Widersprüche. Er will sie seinen Klosterbrüdern vorenthalten, doch die Umstände der Seligsprechung decken alles auf.

Dieses Buch ist gleichermaßen für Christen und Atheisten interessant, das jedem den Blick in die andere Richtung gewährt, ohne dem Glauben die Würde zu nehmen.

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Leseprobe:

Also sollte es dem päpstlichen Gesandten am leiblichen Wohl nicht fehlen, und so sollte Berta, unser fettestes Schwein geschlachtet werden. Dass es eine Lüge ist, einem Gast ein üppiges Mahl aufzusetzen, Eure Eminenz, das wissen nur Moraltheologen, der Papst und ich. Aber es war deshalb eine Lüge, weil ich eine Frage, die Monsignore stellen könnte dadurch zu verhindern versuchte, indem ich ihn ablenkte, diese Frage zu stellen, um sie nicht beantworten zu müssen.

Und so nahm das böse Schicksal seinen Lauf.

„Haltet das Schwein!“ schallte es am Freitagmorgen vor dem Besuch des päpstlichen Gesandten durch die Klostermauern.

Es war wieder Bruder Johannes, der mit blitzendem Messer hinter der vor Angst quiekenden Berta hinterherlief. Bruder Sibelius, der Küchenchef, hatte ihm geheißen, das Schwein festzuhalten, während er Berta ins Herz stechen wollte. Doch im fraglichen Augenblick, hielt sich Johannes die Augen zu und ließ das Schwein entkommen. Dieses flitzte durch die offene Türe in den Klosterhof. Sibelius stach ins Leere und traf sein eigenes Schienbein, worauf er das Messer fallen ließ und schrecklich zu schreien begann. Wie von einem Schwarm Wespen gestochen, sprang er durch die Küche. Johannes erkannte sofort sein Missgeschick und wollte Sibelius helfen. Er schnappte sich das Messer, welches zu Boden gefallen war und stürmte Berta wie ein Meuchelmörder nach. Sibelius humpelte ihnen hinterher, mit einer Schlinge in der Hand. Es war ein Elektrodraht aus unserem Toaster, den er in aller Eile an sich riss.

„Fessle sie, fessle sie“, rief Sibelius Johannes mit weinerlicher Stimme nach. „Bringe sie zurück zur Küche.“ Er wollte verhindern, dass Berta im Klosterhof niedergestochen wurde.

Doch Johannes war nicht zu bremsen.

„Johannes!“ rief Sibelius.

„Haltet das Schwein!“ brüllte Johannes.

Berta flitze um die Ecken. Herbeieilende Brüder versuchten, Berta den Weg abzuschneiden, und so kam es zu einer turbulenten Jagdszene, mitten im Klosterhof, die ich aus meinem Bürofenster beobachtete, und die mich zutiefst schmerzte. Ich beschloss, die soeben abgehaltene Morgenmesse sofort nach der Schweinejagd, in doppelter Länge zu wiederholen, und dem Heiligen Hubertus eine Messe zu lesen.

„Da ist sie!“ rief Johannes und folgte dem Schwein mit erhobenem Messer durch das Kirchenportal.

„Halt!“ Bruder Jakob, der Messdiener, stellte sich vor Johannes.

„Hier kommst du nicht rein.“

„Aber Berta ist in der Kirche.“

„Nicht mit dem Messer.“

„Jakob! Bitte lass mich durch.“ Johannes Stimme verfinsterte sich.

„Nein, du bleibst draußen.“

„Aber wieso?“

„Das Schwein hat Asyl.“

„Asyl?“

Inzwischen waren die anderen Brüder am Kirchentor. Sibelius hielt seine Schlinge empor. Doch Bruder Jakob blieb stur.

„Solange das Schwein Zuflucht in der Kirche sucht, hat es Asyl.“

Johannes blickte durch das halb geöffnete Kirchentor. Berta lugte mit der Nasenspitze hinaus, sah aber Johannes und verschwand wieder in der Kirche.

„Komm, Putzi, Putzi!“ lockte Johannes und versteckte das Messer hinter seinem Rücken. Die anderen Brüder stellten sich dicht an die Außenwand neben dem Eingang.

„Johannes“, Bruder Heinrich stand als Erster an der Kirchenwand. Er hob seinen Zeigefinger. „Es ist nicht richtig, das Schwein herauszulocken, um es zu schlachten.“

„Wieso nicht?“ fragte Johannes.

„Das ist arglistig, und dem Schwein gegenüber nicht ehrlich“, sagte Heinrich.

„Nicht ehrlich? Es soll doch geschlachtet werden. Ist das etwa ehrlich?“

„Schlachten ist ehrlich, aber es aus der Kirche herauszulocken, ist unehrlich.“

„Lächerlich!“ lachte Johannes. „Wenn ich das Schwein schlachten will, brauche ich mich ihm gegenüber nicht ehrlich zu verhalten.“

„Und wohl musst du das“, sagte Heinrich. „Das Schwein hat ein Anrecht darauf, von uns ehrlich behandelt zu werden.“

„Du hast Recht, Heinrich“ sagte Jakob, der Messdiener. „Wir sollten Pater Gregor fragen, wie wir uns verhalten sollten.“

„Glaubst du etwa, Berta lässt sich freiwillig von mir schlachten, wenn ich mich in Ehrlichkeit mit dem Messer bewaffnet vor sie stelle?“ fragte Johannes.

„Es ist ein Wesen Gottes“, sagte Heinrich.

„Wenn es darum ginge, dürften wir gar keine Tiere mehr schlachten“, argumentierte Johannes.

„Dem Schwein gegenüber, verhalten wir uns jedenfalls nicht in christlicher Nächstenliebe.“

„Aber Gott hat es ausgestattet mit Filet, mit Lende, Speck und Hinterschinken.“

„Und wie sollen wir uns einem Schwein gegenüber verhalten“, rief Sibelius, „das wir schlachten wollen?“

„Jedenfalls sollten wir es nicht aus der Kirche locken. Das ist arglistig.“

„Also gut“, sagte Sibelius. „Wir warten hier, bis es von allein herauskommt.“

Alle Brüder, außer Jakob, drängten sich dicht an die Hauswand neben den Eingang, aber das Schwein ließ auf sich warten.

„Und wenn ich ein Lied singe“, flüsterte Johannes, „das hört sie so gerne.“

„Auch kein Lied“, sagte Heinrich streng.

Das Warten dauerte an.

„Sicher stellt sie etwas an, in der Kirche“, flüsterte Johannes. „Ich müsste nur mal gucken, ob sie keinen Unfug macht.“

„Auch nicht gucken“, brummte Heinrich.

In diesem Moment stand Berta vor der Kirchentür, und bevor sie sich umblicken konnte, schnitten ihr die Mönche den Rückweg ab, und alle stürzten sich, Johannes mit erhobenem Messer vorneweg, mit lautem Geschrei auf sie.

Ich kann es im Nachhinein nicht genau beschreiben, was dann eigentlich geschah. Als sich jedoch das Menschenknäuel wieder vom Boden erhob, steckte das Messer in der Erde, mitten durch den Handrücken von Bruder Sibelius. Berta war verschwunden. Sibelius starrte, am Boden liegend, auf seine Hand, brachte keinen Ton heraus und fiel in Ohnmacht.

Da trat Bruder Jakob aus der Kirche.

„Das Schwein hat vor den Altar gesch***en.“

Bruder Sibelius, der nun sowohl am Schienbein, als auch an der Hand verletzt war, wurde in das Krankenzimmer getragen. Auf mein Geheiß hin, reinigten die Brüder ihre Kutten und beteten doppelt so lange in der zweiten Messe. Berta fand man völlig verstört im Stall auf. Sie wurde auf Lebenszeit begnadigt. Bruder Johannes musste den Schweinekot vor dem Altar entfernen und wurde an diesem Tag von der heiligen Messe ausgeschlossen. Ich bestellte telefonisch das Fleisch aus dem Metzgerladen der naheliegenden Ortschaft.

Es war genau zu dieser Stunde, als Johannes wohl überlegte, wohin er die Schaufel mit dem Unrat entsorgen könnte, als die neue Lieferung des Weihrauchs in einer Holzkiste vor die Kirchentüre abgestellt wurde.

 

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